Ergänzungen zu Ortung und

 

Kanalverlaufsvermessung


Kommentar von Dipl.-Ing. (FH) Ulrich Jöckel, 14.06.2009

Ich möchte Ihnen das System ASYS in der Version LP-ASYS und geoASYS kurz erklären.

Wir haben nach der Entwicklung der Lindauer Schere festgestellt, dass die Lage der inspizierten Rohrleitungen festzuhalten ist. Spätestens nach dem 2. Abzweig und bei mehreren Rohrbogen, weiß keiner mehr, wo er ist, dh. der Rohrverlauf muss mitgezeichnet oder oberirdisch geortet werden.

Die aktuell zur Verfügung stehenden Sender sind mit einer nicht hörbaren Frequenz ausgestattet und dieser „Schall“ wird oberirdisch mit einem Empfänger eingemessen bzw. geortet. Die Störungen durch weitere erdverlegte Leitungen, wie z.B. Strom Wasser, Gas; oder auch die Beugung durch reflektierende Materialien, reduziert die Genauigkeit einer punktuellen Ortung. Wir hatten sogar mit einem System von der Fa. Seba Dynatronic die gesamte Spirale mit einem Ortungssignal beaufschlagt, was aber wiederum nicht funktionierte, da die Spirale oder Kamera im Wasser liegt und somit das Signal gedämpft wird.

Dies waren die Grundlagen nach anderen Messverfahren zu suchen. Wir haben mit der Uni BW München, einen Partner, der sich speziell in 3D-Mess-Sensorik perfekt auskennt und viele Entwicklungen in dieser Art schon umgesetzt hat.

In der 1. Version von ASYS wurde die Sensorik permanent gemessen und der Verlauf des bewegten Sensors gefiltert, gerechnet und dann in Koordinaten XYZ (Rechtswert, Hochwert und Höhe) dargestellt. Die Ausgabe erfolgt in ASCII-Datei oder als DXF-Files, die dann in CAD-Programmen weiterverarbeitet werden können.

Da hatten wir aber grundsätzlich das Problem, dass kein Operateur auf dem TV-KFZ ein CAD-Programm bedienen kann, also war das die Weiterentwicklung zu LP-ASYS.

Bei LP-ASYS dient ein Lageplan als Hintergrund und der Startpunkt wird in den Lageplan eingemessen, der Maßstab korrigiert, und dann kann die Messung im Plan hinterlegt „gefahren“, d.h. zeitgleich mit der Inspektion wird der Rohrverlauf gemessen und dokumentiert. Die Ausgabe erfolgt, wie oben bereits gesagt, in ASCII oder DXF. Bei LP-ASYS kann gedreht und korrigiert werden, d.h. der Leitungsverlauf wird vom Operateur z.B. zum Fallrohr, welches bekannt ist, zugedreht.

Grundsätzlich ist bei allen Sensorverfahren eine gewisse Ungenauigkeit vorhanden. Dies ist abhängig vom Operateur, von der Zeitschiene und ganz speziell von der Lage der Kamera im Rohr. Liegt die Kamera nicht in der Rohrachse, wird falsch gemessen und es ist deshalb absolut notwendig, dass die Schulungen und auch die kontinuierlichen Tests sowohl bei JT als auch beim Anwender durchgeführt werden.

Die Lage des Sensors in der verlängerten Lindauer Schere ist nahezu ideal, das Vorwärtsschieben der Schere über Ablagerungen, Versätze, Rohrbögen, etc. stellt jedoch das Mess-System vor Aufgaben, die nur parallel während der Inspektion überwacht werden können. Idealerweise sollten mehrer Endpunkte die georeferenziert vorhanden sind, die Verlaufsvermessung unterstützen und dadurch die Genauigkeit optimieren.

Grundsätzlich ist jedoch nie auszuschließen, dass keine Fehler passieren. Wir empfehlen bei bestimmten Anforderungsprofilen eine Doppelbefahrung sowie wir es bei geoASYS als Standard vorgeben.

Das Thema geoASYS ist insofern schnell zu erklären, da bei geoASYS der Start und Zielschacht vorhanden ist und nun in der georeferenzierten Befahrung die Kamera in die Stutzen und Abzweige eingelenkt wird und dort absolut genaue Koordinaten erzeugt.

Hier besteht jedoch ebenfalls das Problem der achsmittigen Zentrallage, sprich der Geraden zu den aktuellen Punkten, sprich Längstangente. Beim KEB in Kassel wird ASYS aktuell in einem Pilotprojekt auf geoASYS gefordert. In Zusammenarbeit mit dem Ing.-Büro aquadrat und der Uni BW soll hier die Genauigkeit in der Lage dokumentiert und die vorgegebenen georeferenzierten Mess-Koordinaten zugeordnet werden. Bei geoASYS wird also nicht manuell verzogen, sondern hier soll ausschließlich die Sensorik die Genauigkeit definieren. Gerne stehe ich für weitere Fragen zur Verfügung. Siehe auch den Bericht der KEB.

Wichtig ist jedoch, damit nicht unnötig die Problematik einer Fehlmessung in den Vordergrund tritt, dass auch beim späteren Aufgraben zuerst mit Suchschlitzen gearbeitet wird. Diese Schlitze werden in die Bereiche gelegt, wo keine anderen Leitungsträger vorhanden sind und auch vermutet werden – normalerweise in Abstimmung mit den Stadtwerken.

Grundsätzlich ist meine persönliche Meinung, dass es ohne ASYS gar nicht funktioniert und dass die Qualität der Inspektion aber abhängig ist vom Zeitfenster, den vorgegebenen Planunterlagen und letztendlich auch von der optimalen Bedienung.

Fehler können generell nie ausgeschlossen werden und sollten auf ein Minimum reduziert werden. Dies erfolgt am Besten immer vor Ort und erst im 2. Schritt in der Überprüfung mit weiteren georeferenzierten Informationen.



JT-elektronik gmbh
Ulrich Jöckel


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